Ruinen – Teil 3a

Herauo, Ostgebirge

Jahr des Falken, 5. Monat

7. Tag, Nachmitag

Innerhalb der Mauern herrschte erstarrtes Chaos. Trümmer lagen überall, von Pfeilen gespickte Rebellen waren über das gesamte Areal verstreut. Blut bewässerte den staubigen Boden in kleinen Rinnsalen, die aus Fleischbergen entsprangen. Dazwischen wuselten die kaiserlichen Soldaten hin und her, trugen Leichenberge zusammen, erlösten die Verwundeten von ihrem Leid und nahmen Rebellen gefangen, die sich ergaben. Verächtlich blickte General Tar zu der Ansammlung verängstigter Nordländer hinüber, die von den Speeren seiner Soldaten in Schach gehalten wurden. Deserteuren wie ihnen gebührte die zuvorkommende Behandlung nicht, mit dem ihm seine Truppen begegneten. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er die Kapitulation dieser Männer abgelehnt und sie hinrichten lassen. Aber seine Hände waren gebunden, die Anweisungen der Kaiserin waren eindeutig. Alle Rebellen, die sich ergaben, mussten vor ein anerkanntes kaiserliches Gericht gestellt und angehört werden. Sie mochten sich gegen die kaiserliche Herrschaft gestellt haben, aber in den Augen der Kaiserin waren sie dennoch Bürger des Reiches und hatten einen fairen Prozess verdient. Das schloss nicht aus, dass viele der Männer dennoch im Zuge dessen den Tod finden würden. Aber die Kaiserin hatte eingehende Prüfung verlangt und er, der Reichsmarschall und General Gol Tar würde sich ihren Anweisungen fügen müssen. Egal wie sehr er jene Posse dieser kaum aus den Kinderschuhen entwachsenen Frau verachtete. Umringt und gut bewacht durch seine persönliche Leibwache, deren eiserne Masken in der Nachmittagssonne schimmerten, schritt er über den Innenhof der alten Ruine. Es mochte früher eine Art Tempel gewesen sein, ein ausladendes Gebilde, das von einer Mauer durch die Außenwelt abgeschottet war. Die Gebäude waren wohl einst mit hohen Säulen und Türmen geschmückt gewesen. Zahlreiche schattenhafte Eingänge führten ins Innere der Anlage. Immer wieder verschwanden Soldaten hinein oder kamen hinaus, teilweise verwundet.

Wohin führen diese Eingänge?“, fragte der General seinen Adjutanten und deutete mit der gepanzerten Hand auf verschiedene schattige Öffnungen.

Der Adjutant, der die letzten Minuten auf dem Schlachtfeld unterwegs gewesen war und sich mit einigen Offizieren beraten hatte, folgte seinem Blick und erwiderte: „Einige führen in abgeschlossene Gebäude, die wir allesamt bereits erobert haben. Die Meisten führen hinab in ein verzweigtes System von Gängen und Tunneln, in dem sich offenbar noch Rebellen verschanzen.“

Immer noch keine Spur von Baron Vicas?“, fragte der General und warf einen Seitenblick zu seinem Adjutant. Der schüttelte den Kopf. „Wir vermuten, dass er sich mit seinen letzten Getreuen in eben jenen Gängen und Tunneln versteckt. Es wird noch eine Weile dauern, bis wir sie alle unter Kontrolle gebracht haben.“

Wie viele Verluste sind bereits gezählt worden?“, verlangte der General zu wissen.

Die letzte Schätzung beläuft sich auf etwa vierhundert. Aber noch ist das genau Ausmaß unklar“, gab der Adjutant zurück. General Gol nickte. „Ich will selbst in die Tunnel hinabsteigen.“, sagte er und nahm die eiserne Kriegsmaske vom Gürtel. Der Adjutant wirkte überrascht und sah seinen Vorgesetzten zweifelnd an. „General? In die Tunnel? Dort wird noch gekämpft, ihr könntet einem Hinterhalt zum Opfer fallen. Eure Expertise wird noch gebraucht, wenn wir diese Rebellion niederzwingen wollen.“, gab er zu bedenken.

Eure Sorge rührt mich.“, erwiderte der General kühl und setzte die Kriegsmaske auf, deren wilde Bemalung einen Dämonen aus einem Zisalcanischen Märchen symbolisierte.

Wir verschaffen uns ein eigenes Bild und erledigen Baron Vicas, sollte er unseren Männern noch nicht zum Opfer gefallen sein.“, hallte die gedämpfte Stimme des Generals unter der Maske hervor. Der Adjutant nickte unsicher. „Sehr wohl, General.“

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3 Antworten zu Ruinen – Teil 3a

  1. schwarzgardist schreibt:

    Ich habe mich, wie ihr seht, für die Aufteilung in mehrere Abschnitte entschieden.
    Einerseits, weil die Teile zwei verschiedene Abschnitte mit unterschiedlichen Perspektiven sind (die aber am selben Ort spielen) und deshalb hier besser getrennt aufgeführt werden, als dass es zu Verwirrungen kommt.

    Zweitens bin ich noch nicht ganz fertig mit dem Rest, will euch aber nicht allzu sehr warten lassen.

    Und drittens wird der Abschnitt sonst seeehr lang. So kann ich halt nach und nach immer mal ein neues Stück herausrücken und ihr kriegt kontinuierlichere Fortsetzungen 😉

  2. J.S. schreibt:

    und wieder die grammatik:
    Innerhalb der Mauern herrschte erstarrtes Chaos (also den satz mag ich nicht. Warum weiß ich ni genau. Ich glaub weil „herschen“ ein Prozess ist und „erstarrt“ ein Zustand)

    Deserteuren wie ihnen gebührte die zuvorkommende Behandlung nicht, mit dem ihm seine Truppen begegneten. (öh, ein etwas eigenartiger satz. Ist doch klar dass man zum eigenen Hauptmann netter is, als zum feind-oder meinst du etwas anderes?)
    lg

    • schwarzgardist schreibt:

      Also ich find den Satz mit dem Chaos gerade gut – aber das is sicher Geschmackssache und ob „herrschen“ das beste Wort ist, um mit dem Rest verwendet zu werden, darüber kann man sich streiten. Bis ich eine bessere Formulierung finde, wirds so stehenbleiben, denke ich.

      Und der zweite Satz sollte sich aus dem Kontext ergeben. Der General meint nämlich, dass die am besten alle gleich exekutiert werden, ohne Anhörung oder Gericht. Verräter sind Verräter, also müssen sie sterben. So denkt zumindest General Tar 😉

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