Schattenspiel – Teil 1

Jaelad, Kaiserlicher Hof

Jahr des Falken, 5. Monat

11. Tag, Vormittag

In der Ferne spiegelte sich glitzernd die Sonne auf den Wellen des Sartameeres, an dessen Ufer sich die weitläufigen Häuserschluchten von Dalea schmiegten. Verwinkelte Gassen und ein Flickenteppich aus verschiedenfarbigen Dächern prägten das Bild der kaiserlichen Hauptstadt. Rauch kroch in dünnen Fäden aus den Schornsteinen der Werkstätten und winzige Gestalten schoben kleine Karren vor sich her oder schlängelten sich durch die Straßen. Menschen und Häuser wirkten wie Figuren und Objekte auf einem Spielfeld, die man nach Belieben versetzen und verschieben konnte, wenn man nur die Hand danach ausstreckte.

Ceval Dos und ließ seinen Blick wieder in die Ferne schweifen. Weit draußen am Horizont konnte er die weißen Segel von Schiffen sehen. Das Meer, das sie überquerten, war in Wahrheit ein riesiger See, der jedoch so große Ausmaße hatte, dass jeder ihn für einen Ozean hielt. Selbst von den hohen Balkonen des kaiserlichen Palastes konnte er das Südufer des langgestreckten Sees nicht erkennen. Seinen Namen hatte das Gewässer dem Fluss zu verdanken, der es speiste. Der Sarta entsprang den südlichsten Ausläufern des Ostgebirges in Zisalca und Floss von dort an der Stadt Semas vorbei nach Süden, bis er bei Dalea ins Sartameer mündete. Später, als man feststellte, dass es nur ein riesiger See war, von dem aus zwei weitere Flüsse nach Westen und Süden zum wirklichen Ozean flossen, hatte es einen großen Streit der Gelehrten gegeben. Eine Seite war der Auffassung, dass die beiden Flüsse neue Namen erhalten mussten, da sie neue Gewässer darstellten, die ihren Ursprung im See hatten. Außerdem sei es verwirrend, wenn man drei Flussläufe mit demselben Namen bezeichne. Die andere Fraktion hatte argumentiert, dass der See nur eine Aufstauung des Sarta darstellte und der Fluss damit jenseits des Sartameeres seinen Lauf nur fortsetzte, womit sie unmöglich neue Gewässer darstellen konnte. Ceval Dos sah die seitenlangen Abhandlungen noch vor sich, die er in seiner Ausbildung hatte lesen müssen.

Furchtbar. Wieso hat man mir dieses Buch damals angetan?, dachte er und versuchte die anderen Erinnerungen an seine Schulzeit abzuschütteln, die ihn daraufhin überfielen. Am Ende hatten die Gelehrten einen Kompromiss gefunden, indem ein Schlichter beiden Argumenten Recht gab. Der südliche Ausläufer wurde seit daher ebenfalls Sarta genannt, weil der See keine endgültige Mündung darstellte. Der westliche Strom bekam den Namen Prejo, um keine Verwechslungen hervorzurufen und den Streit beizulegen, obwohl keine der beiden Seiten am Ende gänzlich zufrieden war. Die Lehrmeister hatten daraufhin die Moral der Geschichte und ihre Schlussfolgerungen für die praktischen Belange der…

Er seufzte resigniert und konzentrierte sich auf das hier und jetzt, um die Erinnerungen aus seinem Kopf zu verbannen. Er holte tief Luft und spürte, wie die Trockenheit seinen Hals kitzelte. Trotz der schattigen Lage des Balkons war es sehr warm – und das, obwohl die Mittagsstunden noch gar nicht angebrochen waren. Es versprach ein heißer Tag zu werden. Der milde Frühling, der die letzten Monate über das Land gekrochen war, hatte sich in den letzten Tagen zu einem kräftigen Frühsommer aufgebäumt. Der Wind trug ab und an eine kühle Seebrise zum Ufer. Er blies heute eher schwach, aber es reichte, um den Geruch von Algen und Wasserpflanzen über die Stadt zu tragen, wo er sich mit dem beißenden, schwefligen Rauch der Feuer in den Betrieben vermischte. Und ein anderer Geruch lag in der Luft: Der süßliche, dezente Duft der Saco-Blume.

Ceval Dos wandte sich von der Szenerie ab und lächelte, als er sah, dass seine Nase ihn nicht getäuscht hatte: Am Rahmen der Balkontür lehnte eine hochgewachsene, schlanke Frau mit langen, schwarzen Haaren. Sie trug weite, schmucklose Gewänder und hatte ein hübsches, aber unauffälliges Gesicht. Die dünnen Arme hatte sie vor ihrer Brust verschränkt, die durch den Stoff der Kleidung verschluckt wurden und keinen bleibenden Eindruck hinterließ. Ganz im Gegensatz zu ihren Augen, hinter denen sich zwei Wesen verbargen. Sie waren Grün und Braun gefleckt, aufmerksam und glitzerten vor Neugier und manchmal sogar Frechheit, wenn man sie in einer entspannten und zwanglosen Umgebung betrachtete. Aber die meiste Zeit über, während der täglichen Arbeit im Palast, waren ihre Augen zu Boden gerichtet und fügsam, schüchtern und vorsichtig. Als Dienstmagd der Kaiserin hörte und sah die junge Frau vieles, das für andere Augen und Ohren verborgen blieb – Dinge, die den Meister der Schatten interessierten.

Eleja, wie schön, dich zu sehen.“, grüßte Ceval Dos sie und macht eine einladende Geste. Das Dienstmädchen stieß sich vom Rahmen ab und trat hinaus auf den Balkon. Ihr Blick wanderte kurz über die Stadt, dann meinte sie: „Eine schöne Aussicht habt ihr hier.“

Er winkte ab. „Die Balkone der kaiserlichen Gemächer sind zweifelsohne prächtiger.“

Mag sein, aber hier erhält man einen unverfälschten Blick auf die Stadt, wie sie tatsächlich ist. Kein idyllisches Paradies, das es in Wirklichkeit gar nicht gibt.“, gab Eleja zurück.

Manchmal ist es besser, klar zu sehen. Aber nicht immer und nicht überall. Es würde mich martern, die elenden Teile der Stadt jeden Tag sehen zu müssen, wissend, dass ich als Herrscher in der Verantwortung stehe, etwas daran zu ändern.“, säuselte der Meister der Schatten und deutete dabei hinab in die weniger prosperierenden Viertel, in denen die Menschen in verfallenden Holzhäusern hausen mussten oder ganz auf der Straße lebten. Natürlich bereitete es Ceval Dos kein Unbehagen, diesen Anblick täglich vor Augen zu haben. Es war ihm egal. Er machte sich keine Illusionen, die Welt auf wundersame Art und Weise zum Besseren verändern zu können. Elend und Reichtum waren eherne Gesetze, so natürlich wie das Verhältnis von Jäger und Beute. In der Natur fraß der Stärkere den Schwächeren oder verdammte ihn anderweitig zum Tode – das stärkere Jungtier fraß dem anderen die Beute weg, das kranke Mitglied wurde aus der Herde verstoßen, damit der Rest sicher ans Ziel kam. In gewisser Weise war das Elendsviertel sogar als große Errungenschaft anzusehen: die Armen dort starben nicht – sie waren nicht zwangsläufig zum Tode verdammt, wie im Reich der Tiere. Die Zivilisation hatte ihnen zwar die unbequemsten Plätze auf der Bühne des Lebens zugeteilt, aber immerhin durften sie mitspielen.

Aber Ceval Dos wusste, dass es der jungen Kaiserin nicht egal war. Sie war noch jung und naiv genug, zu glauben, dass sie alle Möglichkeiten hatte, Terugal von den jahrtausendealten Leiden der Menschheit zu erlösen. Von Hunger, von Armut, von Elend und Krieg, von Gewalt und Unrecht. Aber es lag in der Natur des Menschen, dass er sich nicht leicht zu Dingen zwingen ließ – selbst wenn es zu seinem Besten war. Auch nicht von Kaisern.

Wenn man nur halbwegs Aussicht auf Erfolg haben wollte, musste man wie ein Puppenspieler jene Fäden zupfen, an denen die Menschen wie Marionetten hingen. Man musste sie glauben machen, es sei ihre eigene Idee, die man ihnen einflüsterte. Und man musste aufpassen, dass die Marionette nicht begann, den Faden, an dem sie hing, zu zu benutzen, um mit dem Puppenspieler zu spielen…

Die Kaiserin ist in der Tat in letzter Zeit sehr häufig betrübt. Sie hat Zweifel, ob sie das Richtige tut. Sie will keinen Krieg, aber niemand lässt ihr eine andere Wahl. Valera meinte, gestern Nacht sei sie förmlich explodiert, als Valera ihr einen Wildgrastee gebracht hat, damit sie besser einschlafen kann. Sie hat die Schale beiseite geschleudert, geschrien, dass der Tee den Krieg auch nicht beenden würde und sie genauso gut das Blut der Soldaten trinken könnte, wenn sie tatenlos in ihrem Bett sitzt und zulässt, dass ihr Volk sich gegenseitig an die Kehle geht. Der Feldzug setzt sie zunehmend unter Druck – ich glaube, sie bereut es beinahe, die Banner zum Marsch befohlen zu haben.“

Arme Alea, dachte Dos sarkastisch und strich sich ob der Schilderung nachdenklich über seinen Ziegenbart. Sie hat keine Ahnung von Politik und nicht die Entschlossenheit, dieser Krise angemessen begegnen zu können. Verwirrt und zerrissen – was wünscht man sich mehr?

Ich kann mir vorstellen, dass die Kaiserin eine schwere Zeit durchmacht. Kaum musste sie zwei schwere persönliche Verluste wegstecken, da droht das Land unter ihrer Regentschaft ins Chaos abzugleiten. Kaum hat sie die Krone auf dem Haupt, zerfällt das Kaiserreich. Wir müssen aufpassen, dass nicht auch unsere Kaiserin an der Last zerbricht, die auf ihren Schultern liegt.“, antwortete Ceval Dos leise.

Wir haben ein Auge auf sie.“, versicherte Eleja, „Valera meinte, sie habe sich recht schnell wieder gefasst und hat schockiert über sich selbst um Verzeihung gebeten, bevor sie unter Tränen und Schluchzen vor Erschöpfung eingeschlafen ist, während Valera sie tröstete.“

Das erklärt, wieso sie heute morgen nicht abkömmlich war und die Ernennungszeremonie verschoben hat.“, mutmaßte der Meister der Schatten.

Sie brauchte einfach etwas Schlaf.“, sagte die kaiserliche Dienstmagd.

Der Ministerrat hat ihr schon oft genug angeboten, die Ernennungen in ihrer Abwesenheit durchzuführen. Das ist nicht unüblich.“, erinnerte er.

Wir haben es ihr vorgeschlagen, aber sie hat abgelehnt. Sie möchte ihre sämtlichen Pflichten als Kaiserin wahrnehmen, auch die scheinbar unwichtigen.“, berichtete Eleja.

Natürlich…“, nickte Ceval Dos mit aufgesetzter, verständnisvoller Miene. „Ich kann verstehen, dass die Kaiserin in ihrer Situation nichts falsch machen will. Ich frage mich nur, ob es in Zeiten wie diesen nicht manchmal notwendig ist, sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren und die weniger wichtigen Aufgaben an andere zu delegieren. Es gibt schließlich einen Grund, wieso die Kaiser der Vergangenheit lieber ihren Ministerrat mit solchen banalen Dingen betrauten, als ihre woanders dringender benötigte Aufmerksamkeit dafür einzusetzen.“

Die Kaiserin meint immer, das wäre der erste Schritt auf dem Weg, ein neuer Daleon Falondros zu werden.“, antwortete Eleja.

Er war immer wieder erstaunt darüber, wie gut seine Wahl ausgefallen war. Das Mädchen war so einfach zum reden zu bringen und musste nicht einmal dafür bezahlt werden, dass sie ihre Augen und Ohren offenhielt. So bereitwillig, wie sie über Alea plauderte, hatte ihm selten jemand Bericht über die Gefühle und Gedanken des alten Kaisers erstattet.

Eher ein neuer Adanos Mesadros.“, erwiderte Ceval Dos. Eleja schaute nachdenklich drein.

Kaiser Daleon der Falondros-Dynastie war ein Kaiser ohne Macht gewesen. Er genoss das höfische Leben mit all seinem Luxus so sehr, dass er sich immer mehr von den Regierungsgeschäften abgewendet und den Ministern weitreichende Kompetenzen eingeräumt hatte. Auf diese Weise konnte er all seine Aufmerksamkeit den ausgelassenen Festen widmen, lange Reisen zwischen seinen Residenzen unternehmen und sich intensiv mit seinen Konkubinen beschäftigen. Er hatte nicht lange regiert, denn der Ministerrat – anfangs noch begeistert von seiner neuen Macht – hatte sich bald gegenseitig in Intrigen und Machtkämpfen zerrüttet und Terugal in eine Phase der Stagnation geführt. Man nannte diese Zeit heute noch „Die Jahre der hundert Minister“, in Andenken an die schnell wechselnden Posten. Ständig fielen die höchsten Beamten Attentaten zum Opfer und verstarben unerwartet, sodass eine konkurrierende Fraktion den Posten besetzen und das politische Ruder in die entgegengesetzte Richtung herumreißen konnte. Doch statt in die gewünschte Richtung zu steuern, hatten die hundert Minister das Land im Zickzack in Richtung Verderben gelotst. Kaiser Daleon war schließlich während einer seiner zahlreichen Feiern würgend und hustend zusammengebrochen und nicht mehr aufgestanden. Der Bruder des kinderlosen Daleon war ins Exil geschickt worden und hatte zugunsten des hohen Minister Reyan, der unter den streitenden Fraktionen die stärksten Verbündeten hatte, gezwungenermaßen auf die Thronfolge verzichtet. Reyan war daraufhin zum neuen Kaiser gekrönt worden, hatte die Ordnung im Land wiederhergestellt und die Dynastie der Mesadros begründet.

Doch die Geschichte wurde nicht vergessen. Noch heute hämmerte man allen jungen Kronprinzen und Prinzessinnen von Kind auf immer wieder sein tragisches Schicksal ein, um das Land vor einem weiteren Daleon zu bewahren. Einer dieser Kronprinzen – der dritte Thronanwärter nach dem Tode Daleons, soweit sich Ceval Dos erinnern konnte – war Adanos gewesen.

Adanos hatte sich schon in der Kindheit als langsamer Lerner erwiesen. Die Geschichtsbücher sagten, er hätte später laufen gelernt als normale Kinder. Seine ersten Worte ließen lange auf sich warten und er tat sich offenbar sehr schwer mit den Aufgaben der Lehrer. Doch er biss sich durch und entwickelte sich durch viel Fleiß zu einem allseits beliebten Kaiser – auch wenn er ständig geplagt wurde von Versagensangst. Ceval Dos erinnerte sich noch an die amüsanten Sätze des Gelehrten Zison: Nur die schiere Andeutung der Delegation tagesgeschäftiger Aufgaben seitens seiner Berater und Viriales löste bei seiner kaiserlichen Majestät Anzeichen körperlicher Furcht aus. Den zahlreichen Untersuchungen seiner Leibärzte zufolge,verursachte die Vorstellung einen fiebrigen Zustand mit Schweißausbrüchen und Zittern.

Schließlich war ihm die Arbeit über den Kopf hinausgewachsen. Obwohl er sich bemühte, hatte er keine Chance, alle Aufgaben allein zu bewältigen und aus Furcht, das Schicksal Daleons teilen zu müssen, weigerte er sich standhaft, Aufgaben den Viriales – den kaiserlichen Ministern – zu überlassen. Er hatte zunehmend nachts gearbeitet und zu wenig geschlafen. Erst, als er krank wurde, hatte er auf dringendstes Anraten seiner Leibärzte zugelassen, dass einige Pflichten an die Viriales übertragen wurden. Doch sobald er sich wieder einigermaßen gesund gefühlt hatte, hatte er sich erneut in Arbeit gestürzt und schließlich einen Rückfall erlitten, der ihn das Leben kostete: Eine verschleppte Erkältung hatte Kaiser Adanos zu Fall gebracht. Wie auch die Geschichte Daleons war diese Begebenheit zu einem Lehrstück geworden. Viele Lehrer nutzten es, um Schülern ein gutes Maß nahe zu bringen: zu viel brachte ebenso verderben wie zu wenig.

Ceval Dos konnte an Elejas nachdenklicher Miene ablesen, dass seine scheinbar beiläufige Bemerkung den gewünschten Erfolg erzielt hatte. Mit etwas Glück würde die junge Dienerin beim nächsten Gespräch über das Angebot der Viriales genau dieses Argument nutzen, um die Kaiserin zu beeinflussten. Er sah, dass die junge Frau sich durchaus Sorgen um das Wohl ihrer Herrin machte und wie wenig ihr die Vorstellung behagte, dass Alea wegen ihres Ehrgeizes nach und nach zugrunde ging. Er gab den Gedanken einen Augenblick lang Zeit, um ihre Wirkung bei Eleja zu entfalten, ehe er das Thema wechselte.

Und wie geht es Prinzessin Jael? Man hört und sieht kaum noch etwas von ihr.“

Nicht gut.“, erwiderte das Dienstmädchen betrübt, „Sie hat den Tod des Prinzen nicht so gut verkraftet wie die Kaiserin.“

Ceval Dos schnaubte leise. „Sie ist vierzehn und liebte ihren großen Bruder über alles. Was hast du erwartet? Natürlich macht sie eine schwierige Zeit durch. Ich hatte nicht erwartet, dass es ihr gut geht. Aber wie schlimm ist es um sie bestellt?“

Außerdem denke ich nicht, dass Prinz Jorans Tod so spurlos an Alea vorübergegangen ist, wie du glaubst. Auch wenn sie öfter Streit mit ihm hatte als Jael…

Sie isst kaum noch, ist mittlerweile dürr wie eine Skelett und will nichts mehr tun. Die meiste Zeit des Tages liegt sie im Bett und starrt die Decke an und ist durch nichts aufzumuntern. Wir haben schon alles probiert. Musiker, Lehrer, Geschichtenerzähler, Jongleure… Nichts, was sie früher begeistern konnte zeigt Wirkung. Sie ist wie ausgetauscht.“

Als wäre ein Teil von ihr mit Joran gestorben. Ein interessanter Weg, ein Kind ruhig zu stellen…

Ceval Dos verzog das Gesicht. „Das klingt überaus besorgniserregend. Die kaiserlichen Leibärzte sind mit dieser Sache bereits betraut worden?“

Eleja nickte. „Dalan Vis kümmert sich um sie. Die Prinzessin leidet auch immer wieder unter Fieber und Schüttelkrämpfen. Der Dalan meint, so etwas sei ihm noch nie in seiner langen Zeit als Heiler untergekommen. Er sagt, er hat zwar schon davon gelesen, dass sich Krankheiten der Seele auch auf den Körper niederschlagen können, aber so etwas selbst noch nicht erlebt.“

Was für ein unfähiger Dalan. Jeder beliebige Foltermeister weiß, dass Körper und Seele untrennbar miteinander verbunden sind und nutzt dieses Wissen! Vielleicht sollten die Dalanes in Zukunft auch einige Lektionen im Folterkeller nehmen…

Hat der Dalan in seinen Büchern auch darüber gelesen, ob solche Zustände heilbar sind und wie lange sie anhalten können? Wozu haben wir denn kaiserliche Leibärzte, wenn sie im entscheidenden Moment nichts erreichen!“, meinte Ceval Dos deutlich unwirscher, als er vorgehabt hatte.

Das weiß ich nicht.“, erwiderte Eleja und senkte rasch den Blick.

Entschuldige. Ich wüsste nur gern, ob die Prinzessin wieder gesund wird.“, versuchte er sie zu besänftigen, „Und bitte, erzähl dem Dalan nicht, dass ich so etwas gesagt habe.“

Eleja zuckte mit den Schultern.

Keine Sorge, ich kann meinen Mund halten.“, versprach sie. Beinahe hätte er laut gelacht, doch seine Maske zeigte nach außen hin nur ein zufriedenes Lächeln.

Gut.“, nickte er und sah hinaus aufs Sartameer. Einen Moment lang herrschte Schweigen, nur die Geräusche der Stadt hallten aus den Gassen zu ihnen herüber.

Wie war eure Reise?“, fragte Eleja schließlich, nachdem sie die Unterarme auf das Balkongeländer gestützt hatte, um in den kleinen Vorgarten des kaiserlichen Palastes zu schauen.

Angenehm. Der Weg entlang des Sarta ist immer wieder faszinierend. Stille und Einsamkeit entlang des Flusslaufes, nur ab und an eine Anlegestelle oder ein kleines Fischerdorf. Ein absoluter Gegensatz zur Geschäftigkeit des Palastes und der Hauptstadt. Eine gute Gelegenheit, um die Gedanken schweifen zu lassen und nachzudenken.“, meinte er.

Aber leider recht abgeschnitten von allen Informationen und mit so wenig Möglichkeiten, sich von den verdammten Erinnerungen abzulenken. Ein Glück, dass die Reise nach Semas nur zwei Tage dauert und dass meine Viriales mich schon vorher mit genug Aufgaben versorgt haben.

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Bald geht es weiter mit Teil 2 – diesmal mit nahtlosem Anschluss und ohne Sprung, da ich den zusammenhängenden Absatz hier getrennt habe, um euch regelmäßiger mit Updates zu versorgen und keine riesige Textwand des Todes hinzuknallen, die dann gleich ein ganzes Kapitel umfasst.

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Eine Antwort zu Schattenspiel – Teil 1

  1. schwarzgardist schreibt:

    Fragt mich nicht, warum der Text plötzlich so klein ist. Ich hab alles genauso gemacht wie sonst auch und mehrfach versucht über Nachbearbeitung des Artikels zu korrigieren, aber es will sich nicht ein ein gescheites Textbild ändern, so wie die anderen Teile vorher auch sind.

    Sorry dafür – ich bin über Tipps, wie ich es wieder „hübsch“ machen kann, sehr dankbar.

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